An einem Brunnen blicke ich ins Wasser. Ich spüre mich nicht - nie eigentlich.
Der Brunnen ist ein breiter Graben voll Wasser im Hof eines Hauses. Da ist der alte Holztiegel und eine Art Riesenlöffel aus Holz - Werkzeuge um zu schöpfen, aus unergründlichen Tiefen. Das Wasser ist schwarz, oder ist es dunkelblau, lichtlos jedenfalls, tiefdunkel, unerahnbar. Zu schöpfen aus ungewissen Tiefen, Leben schöpfen, Neues machen.
Und der Löffel rutscht hinein und schwimmt am Wasser, gleitet langsam davon, das Wasser ist still, eben, glatt, klar aber undurchdringlich - denn ich weiß nicht - es ist regungslos aber am Leben, das Wasser, das dunkle, es führt ein Kanal weg, unter die Erde, in einer Rinne - da darf der alte Schöpfholzlöffel jetzt nicht hineintreiben! Ich muss ihn holen.
Ich habe ein unwohles Gefühl bei dem Gedanken in dieses Wasser zu steigen. Ich kenne es nicht. Ich sehe ihm nicht bis auf den Grund. Aber ich muss. Ich muss den Schöpfer holen, bevor er weg ist.
Ehe ochs mich versehe, bin ich nackt in dem Brunnen, Kanal, Graben. Ich habe meine Aufgabe erfüllt.
Ich fühle das schwarzblaue Wasser an meiner nackten Haut kühl und gut. Sehr gut. Ich möchte nicht aus ihm heraussteigen. Ich spüre meinen Körper in dem Wasser, dunkel und klar umschliesst es mich und ich fühle mich ebenso klar, und neu.
Gut ist es, da drin zu sein.
Das ist mein Name.
anais
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