Mittwoch, 7. Oktober 2015

Kein Abriss der Zeichen


Ich wache auf in meinem neuen Leben
nach einer Nacht voller schöner Träume
die mich willkommen heissen hier
ich finde in ihnen meine Ecken, meine sonnigen Wiesen zwischen Häusern
schlendere alleine durch Strassen
finde Lösungen, für den Ort an dem ich wohnen soll.

Wache auf und hab ein wunderschönes Gefühl in Bauch.
Ich bin angekommen.
In diesem Jahr offenbar schon zum zweiten Mal.
Ich ewig ruheloser Mensch
bin scheinbar angekommen.
Die Tragweite ist mir noch nicht ganz klar.
Aber ich kann jetzt schon spüren was es bedeutet.

So gehe ich nach draussen in die Sonne.
Neuer Morgen, neue Stadt, erster Tag.
Die Zeichen haben begonnen.
Man sagt mir dieser Traum ist ein Zeichen.
Ein gutes, denn er macht mich so wohlig, den ganzen Tag.

Wir gehen frühstücken. Während sie noch schläft.
Zu zweit ist mir auch lieber gerade, kurz vor dem Abschied.
Es ist sonnig, es ist Sonntag, es ist mild und freundlich draussen.
Gehen eine Runde, kommen an eine Kirche, sie will hinein, ich nicht, wie immer.
Ich mag Kirchen nicht.
Draussen vor dem hohen Backsteingebäude steht ein Banner, mit dem Wortlaut:
Ich war ein Fremder, und ihr habt mich aufgenommen.

Zuerst denke ich an all die Flüchtlinge.
Aber sie sagt, ein Zeichen, und lacht mich an.
Dann denke ich auch an mich.
Ach ja. 
Und mir schiesst durch den Kopf: bitte nimm mich auf hier, neues Leben.

Und wir gehen hinein, und ich fühle gar nicht den Widerstand wie immer.
Als wir eintreten ist ein sympathisches Kinder Erntedankfest gerade in Vorbereitung - keine unsympathische Messe.
Der Eindruck ist so gleich ganz anders.
Aber das ist nicht was mich so ergreift, augenblicklich.
Irgendetwas anderes ist es, und mir schiessen Stossgebete durch den Kopf.
Für dich und für mich.
Ich spüre plötzlich ich komm hier her, um für uns zu beten
obwohl ich gar nicht so bin, sowas nie mache.
Plötzlich scheine ich die Sinnhaftigkeit davon aber zu spüren.
Ich wende meinen Kopf, wir sind am Gehen und da steht auf einem Schild der Name:
Immanuel
Das ist die Immanuelkirche. Ich füge den Nachnamen hinzu, während du mir einfällst, und fühle mich bestätigt.
Zeichen über Zeichen.

Wir gehen dann weiter die schöne Runde, gehen nach Haus, verabschieden uns, und dann widme ich mich meiner Freundin, lang nicht mehr gesehen, und wir gehen raus um uns wo zu setzen, in der Sonne, und anzukommen, innen drin.

Letztlich bin ich ein einziges Fragezeichen, momentan, was dich betrifft.
Und so kommt der Abend und es kommen Diskussionen, und Ratlosigkeit.
Ich gehe raus, mit ihr zusammen um aus dem Nichts in meinem Kopf etwas zu formen.
Wir landen in einem Lokal, mein Kopf ist aber ganz wo anders.
Gehen dann wieder und ich denke soeben nach ob ich wieder einmal etwas will, was nicht sein soll.
Und in dieser Sekunde schlagen mir mannshohe Buchstaben aus Eisen entgegen,
die das Wort 'Liebe' schreiben. Mitten auf einem Platz, wo wir zuvor schon mal vorbei gingen.
An einem späten Abend, an dem sonst nichts irgendwie prägnant ist.
Und in der Sekunde höre ich auch die Worte:
Es gibt ja einen Unterschied. Ihr wollt beide das Gleiche. So war das ja nie bisher mit den anderen.

Wir gehen heim und ich lege mich schlafen.


Immer wenn ich über diese Stadt nachgedacht habe, und darüber hier her zu kommen, fiel mir mit der Zeit dieses Lied ein von Clueso. Chicago. 

Ich komm nie mehr, ich bin in Chicago. In Chicago, da wo niemand meinen Namen nennt.
Ich hab mir deswegen Anfang des Jahres auf einem billigen Marktstand ein Shirt gekauft, auf dem Chicago Bulls steht, weil es mich an Berlin erinnert. 

Am nächsten Morgen, nach meinem ersten Tag hier, steh ich in der Küche, und denke darüber nach, was so schief läuft und was mein Part ist an all dem.

Meine Gedanken streifen umher, ganz leicht.
Dann hebe ich meinen Blick und er streift zum ersten Mal den Wandteller vor mir, der hier hängt. 
So paar Gebäude sind da drauf, und der Schriftzug Chicago.


https://www.youtube.com/watch?v=_qF09DLnXBk




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Anais