Montag, 7. April 2014

Das Schaf



ein blick in den spiegel. überall krause wolle. hellgrau. ich bin so flauschig. sie alle sehen es. mein blick ganz weich und so unbehelligt mein ausdruck. ich blöke nettes nach links, ich blöke nettes nach rechts. herz aus zuckerwatte. weich bin ich, angenehm. so sieht man mich, so sehe ich mich.
ja und dann kommt der moment, der mir schweiss auf die stirn treibt, ein wenig. ich greife mir besorgt zur magengegend, wie napoleon. oh, ja, der kalte zippverschluss unter meinen fingern. ich ziehe ihn auf. rabenschwarz bin ich darunter, seidig weich. ziehe mir die wolle auf. schwarze augen, wacher blick, hochaufmerksamer ausdruck. wolfszähne, wolfsaugen, glockenhelles geheul. das wissen nicht viele. ich starre und spiele, bin überlegen. mir selbst überlegener als gedacht. ich schüttle mein rabenschwarzes fell und auf meinen langen stelzen laufe ich wie ein lautloser sturm. ganz normal. herz aus zuckerwatte.




anais