Mittwoch, 27. Mai 2015

übers Zweifeln



Habe das Zweifeln gesucht um es zu verstehen.

Nämlich die Tat des Zweifelns an sich.

Doch ich und meine Suchtrupps fanden nicht viel.

Auf seine Spur kam ich nur, auf ganz verwischte, fast verwitterte:

Zweifel ist nicht Bauchgefühl.

Gut das habe ich bereits gewusst.

Bauchgefühl ist wärmer und sicherer.

Bauchgefühl ist gut.

Und Zweifel ist nicht Selbstkritik,
weil Zweifel ausschliesslich fragt und nichts weiss und nichts in die Kategorie Pro schiebt, nur in die Kategorie Contra und sogar das mit einem Fragezeichen.

Also: Zweifel weiss nicht viel.

Neu an meiner leichten Spur die ich fand ist,
dass Zweifel beschrieben wird als undifferenziert.

Und entmutigend.

Warum?

Zweifel ist undifferenziert. Absolut, es wird alles in einen Topf geworfen und als nicht ausreichend beurteilt. Egal was, alles, inklusive einem selbst.

Es gibt keine Unterscheidung mehr. 

Alles ist gleich schlecht.

Und zwar schlecht.

Es gibt nichts was sich doch bewährt.

Nichts ist genügend, nichts ist OK.

Das ist undifferenziert weil es in ein einziges Extrem geht.

Es ist ein Extrem.

Das Leben ist kein Extrem. Wäre das Leben ein Extrem, eine einzige Waagschale von zwei, dann funktionierte es nicht. Es könnte nicht leben.

Leben ist Ausgleichung. Nicht ein Extrem.
Sobald sich Kräfte ausgleichen entsteht ein Lebensfluss.
Sobald Kräfte nicht mehr in Ausgleichung sind, sondern nur noch auf einer Seite existieren, stoppt der Lebensfluss.


Also ist Zweifel nicht Leben. Zweifel lebt nicht. Zweifel ist tot und das ist so unerträglich an ihm. 
Wir denken etwas totes.

Vielleicht nimmt das dem Zweifel Berechtigung? Weil er nichts mit Leben zu tun hat, also mehr ein Phanatsieprodukt ist als eine Begründung von Tatsächlichem.

Ich kann mich Zweifeln hingeben, das ist dasselbe wie mich Phantasien hinzugeben.
Natürlich kann ich das tun.
Ich nehme Phantasien aber nicht ernst.
Also gilt dasselbe für Zweifel. Sie sind nicht ernst zunehmen.

Warum nehme ich sie dann ernst und lasse mich von ihnen beängstigen?

Sie sind tot, kein Ernst. Es sind surreale Möglichkeiten.

Möglichkeiten die möglichst negativ sind, rein negativ, nichts anderes sind Zweifel.

Das macht sie irrational, das nimmt ihnen Berechtigung.

Die Realität ist nicht fähig, rein negativ zu sein.
Das verstösst gegen das Lebensprinzip.

Nichts ist tot, egal woran wir denken oder was wir sehen.

Was ist tot?
Tot ist etwas, wenn es nicht mehr ist. Wenn es vorbei ist.
Zweifel ist nicht wenn etwas vorbei ist, so fühlt es sich nicht an.
Zweifel ist nicht vorbeisein, Zweifel wirkt. Es macht schwach.

Also gibt es tot an sich vermutlich nicht.
Es gibt nur: nicht mehr und vorbei. Das lässt sofort Raum für etwas Neues und noch Unbekanntes.

Wenn Zweifel also tot ist, weil es geradezu irreal nur eine Seite beleuchtet, und das in extremer Ausformung, dann ist es nichts weiter als ein Konstrukt mit dem man sich selbst zu Fall bringt

oder bringen will.

Zweifel entmutigt.

Warum?

Weil es keine Möglichkeit mehr lässt. Kein Mut mehr etwas zu tun oder anders zu sehen, weil die Möglichkeiten nicht mehr existieren.

Das ist das Wesen des Zweifels. Er lässt nur sich selbst stehn.
Nur sich selbst gibt er Gültigkeit.

Das ist ein derart sich selbst auflösender Sachverhalt, dass er den Zweifel im Grunde sofort entkräftet.

Zweifel existiert nicht.

Was dann?
Angst.

Er ist ein künstliches Derivat von Angst.

Wenn man den Zweifel beseitigen will muss man sich Angst anschauen.

Angeblich is Zweifel von der Natur her wie ein verängstigtes Kind, es hat Angst und es ist angeblich sehr früh in uns entstanden. Es hört und sucht nach den Meinungen von anderen.

Kein wunder, dass ich mit einem Suchtrupp loszog um Antworten zu finden - irgendwo draussen.

Es scheut das Risiko.
Kinder kennen kein Risiko. Kinder tun einfach.
Sie werden geformt und es wird ihnen beigebracht dass soetwas wie Risiko gibt.

Ich denke nicht, dass es Risiko gibt. Das ist erfunden, behaupte ich.

Es wird also Kindern beigebracht, das was sie wollen ist nicht gut oder unmöglich oder eine schlechte Idee.
Sie verstehen sich selbst nichtmehr, denn warum sollten sie aus ihrer Natürlichkeit heraus etwas denken dass schlecht ist?
Aber Erwachsene sind die Leitfiguren. Sie müssen wohl recht haben.

Also entsteht ein erstes Risikogefühl.
Wenn ich nicht tue was ich gerne tun würde bin ich unglücklich.
Wenn ich also doch nicht ablassen kann von meinem Wunsch, und es versuche, dann könnte das falsch sein. Denn ich denke ja angeblich falsch.
Es entsteht ein Risikogefühl.
Ich will was tun und das könnte falsch sein denn ich kann mir selbst nicht vertrauen.
Das is ein Risiko.
Ich kann mich selbst nicht mehr führen, auch als Erwachsener nicht, denn es wurde mir erklärt ich könne meinen Ideen nicht trauen.
Ich kann daher mir nicht trauen.
Ich werde erwachsen und kann mir immer noch nicht trauen.

Ich brauche die Stimmen der anderen und deren Ideen zu meinem Leben - denn ich habe früh gelernt mir nicht zu trauen und stattdessen auf das zu hören, was der Erwachsene damals vorschlug.

Ich konnte als Kind nicht wissen, dass Erwachsene nicht wissen.

Daher die Zweifel am Selbst. Die Zweifel falsch zu sein. Die Zweifel nicht haben zu dürfen was man gerne will. Nicht haben zu können was man sich ersehnt.

Angst um das was man will im Leben.
Denn man wollte auch als Kind und es wurde einem beigebracht: was ich will ist nicht real.



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Anais