Dienstag, 16. Juni 2015
Sterntaler
sie hatte eigentlich nichts
niemanden um genauer zu sein und auch kein Geld
und dann bekam sie Lust aufs Feuer
und sie wollte garnichts mehr haben
so sagte sie sich selbst
sie müsse gehen
und sie zog in die Welt hinaus
sie wollte gehen so weit die Füße sie tragen
sie wanderte durch Wälder
sie wollte wie nach einem Feuer
nach vernichtenden Flammen
über die Asche gehen um neu zu werden
also liess sie hinter sich
und nichts mehr wollte sie besitzen
dann kam sie an einem
an zwei
an drei
Bettlern und armen Leuten vorbei
und sie gab
ihren Mantel
ihre Stiefel
ihr Kleid
und ging weiter
müde und glücklich vom puren Leben
sie hatte nur noch ein dünnes Unterkleid an
und als sie auf ein verlassenes Jungtier stiess im Wald
ein kleines Eichhörnchen
zog sie ihr dünnes Kleidchen aus und umwickelte das Tier damit
und ging nun nackt weiter
ihr dunkles Wildes Haar sie bis zum Kreuz bedeckend
und sie war so glücklich wie noch nie
weil sie nichts mehr hatte
gar nichts mehr
nur noch sich und das Leben
und da
mitten in der dunkelsten Nacht
öffnete sich der Himmel über dem Wald und ihr
sie schimmerte im Mondlicht mit ihrer weissen nackten Haut
unter Tannen in der dunklen Nacht
und aus dem offenen Himmel konnte das Licht sie finden weil sie nackt schimmerte
und es fielen abertausend Sterne auf sie herab
auf ihr Haupt, verfingen sich in ihren Haarlocken und hefteten sich an ihre Stirn,
gespickt an ihren Schultern
hinuntergleitend an ihren Brüsten
in den Mund gelegt in den Schoß gelegt
zwischen die Zehen steckten sie sich, die Sterne
und in ihre Handflächen geschmiegt
über und über mit Sternen war sie bedeckt
in einem Sternenschauer stand sie im Wald
glücklich war sie.
-
anais
angelehnt an Sterntaler von den Brüdern Grimm