Ich war immer ein Einzelgänger, so hat alles schonmal begonnen, Prägungen und Erfahrungen und einfach das wie die Würfel fielen. Einzelkind, keine Kinder am Spielplatz als ich bei Omi aufwuchs, Nachmittags.
Und dann war ich immer gerne für mich und auch gerne hab ich mich abgehoben von der Menge, stand nie im Mittelpunkt aber irgendwie war ich der bunte Punkt am Rannd - und darauf hab ich bestanden. Für mich.
War nie teil einer Gruppe und wollte das auch nicht, mich hat ja auch nie eine Gruppe von den um mich sich gruppierenden irgendwie gereizt.
Also hab ich lieber nur zu mir dazugehört.
Mich dann als 16-Jährige gerne auch durch meine Kleidung abgehoben vom Rest. Offensichtlich anders gekleidet zu sein als der Rest meiner Schule - nämlich ganz schrill und bunt - gab mir ein Sicherheitsgefühl.
Und scheinbar war ich auch immer aus meiner ganz natürlichen Art heraus, irgendwie anders und anders ausgerichtete, anderer Meinung.
Ich meinte das als Kind nicht böse und hab das auch nicht mit Absicht getan. Aber dass ich meine Bedürfnisse äusserte, nämlich gerne dies oder das täte, löste bei meinem Onkel wenn ich zu Besuch war einige Tage, immer Disharmonie aus. Ich sagte was mir in den Sinn kam und wonach mir war, ich muss noch ein Volksschulkind gewesen sein - und wurde sehr schroff ermahnt dass ich nicht ständig etwas anderes erfinden soll was ich will und dass ich natürlich - wie sollte es anders sein - immer das will was die anderen nicht wollen - und es wurde mir unterstellt mit Absicht so zu sein. Um andere zu nerven.
Ich war leider sehr einschüchterbar. Da gab es keine Rebellion.
Auf Fotos aus dem Kindergarten fällt mir regelmässig auf, dass ich in der Gruppe der Kinder die alle nach vorne zur Kamera blicken, seitlich sass und nur so über die Schulter zugewandt war.
Ich denke nicht dass das Berechnung einer 5 Jährigen ist.
Ich war eben so.
Jedenfalls habe ich keine Gruppenzugehörigkeit gebraucht als Teenager um mich zu finden oder meine Identität.
So ging das weiter bis ich mit 23 langsam ins Grübeln kam ob ich nicht doch irgendwo dazugehören möchte.
Warum ich das plötzlich dachte habe ich nicht recht verstanden - zu der Zeit hatte ich intensive 1,5 Jahre in der Clique meiner besten Freundin hinter mir die ich fast jeden Tag genossen habe, bis ich an einem anderen Punkt angekommen war als die alle.
Darüber musste ich oft nachdenken. Warum ich mich so gut fühle alleine. Im Sommer als Schüler hatte ich Bammel vor dem Anruf von Freunden, da ich wusste sie haben jetzt Zeit - ich wollte aber alleine sein. Und regelmässig nach intensiven Tagen mit Freunden, da war ich knapp 20, empfand ich das anschliessende Alleine sein als unerträglich - wobei ich zu dem Treffen davor nur mit grossem Widerwillen ging, jedes Mal. Mich danach aber wieder zu finden in mir selbst wenn ich wieder mit mir war - war enorm schwierig.
Ich liebte die Zeiten mit mir alleine. Ich hatte ständig Ideen was ich tun kann. Viel lesen, viel kreativer Ausdruck. Oder einfach Musik hören und Pfefferminzschokolade naschen und dabei alle Hauptstädte aller Länder aufzuschreiben aus meinem Taschenatlas - oder auch die kanadische Landkarte aufzeichnen.
Ich war selig mit mir alleine. Meine Mutter fragte mich dann eines Tages, da war ich 14 oder 15, ob ich denn nicht einmal ausgehen wolle wie die anderen auch. Sie hatte Glück mit mir - keine Sorgen keine Regeln - die hab ich nicht gebraucht.
Ich war fast ausschliesslich alleine bis ich 19 war. Mein erster Freund mit 19 liess mich mich selbst komplett verlieren. Ich konnte mich selbst gar nicht mehr aufspüren wenn ich einmal alleine war - und wusste gar nichts mit mir anzufangen - fühlte mich von einem schwarzen leeren Loch erfüllt ohne Ihn - und mit ihm nur abgelenkt aber nie gut.
Nach ihm als ich 21 war, folgte die Sturm und Drang Zeit zumindest erstmal für ne Weile, wo ich ziemlich aus mir heraus ging und Erfahrungen machte die die Meisten schon seit 5,6 Jahren hinter sich hatten. Das war eine besonders gute Zeit - mit den falschen Leuten.
Bei meinem nächsten Freund achtete ich schwer darauf nicht wieder in das zu verfallen was ich mit meinem ersten erlebt habe. Ich stellte auch tägliche Kommunikation ein - zu viel. Er selbst war aber ebenso wenig interessiert daran mich öfter als 1 bis 2 mal in der Woche zu sehen und obwohl wir uns sehr sehr mochten - war man irgendwie satt nach 2 Tagen.
Ich dachte das ist so weil so bin ich eben.
Im Grunde folgten dann 5 Jahre in welchen ich keine Beziehung haben wollte, so garnicht, und mich sexuell nur verschwendet habe an die männliche Welt - mit den falschen mein kostbares Wesen geteilt habe.
Ich könnte das bedauern aber das ist bei vermutlich jedem Menschen einfach genau das, wo man eben durch muss, ob mehr oder weniger.
Bis ich beschlossen habe zum ersten Mal in meinem Leben in eine echte reife Beziehung zu einem ebenso reifen Mann treten zu wollen - obwohl er noch nicht da war - und mich erst wieder hinzugeben wenn ich von diesem Mann auch hörte und spürte, dass er denselben Ernst der Sache will.
Kein belangloser Müll mehr.
Der blinde Sturm und Drang ist vorbei.
Ein Glück. War ja lustig aber rückblickend auch anstrengend.
Ich also in Beziehung zu einem anderen Menschen, einem Mann, meinem Bis-zu-einem-gewissen-Grad-Gegenteil in Seele und völligen Gegenstück in Körper. spannend, wunderschön, herausfordernd, beängstigend, erweiternd.
Ich Einzelgänger. Zu wem besser als zu einem Ebenso-Einzelgänger - der ein verblüffendes Verständnis von Miteinandersein an den Tag legt und mich mindestens jeden zweiten Tag in Staunen versetzt - und ne Ohrfeige mindestens einmal die Woche erteilt. Für die ich jedes Mal dankbar bin und tatsächlich jedes Mal hoffe, es wird ihm nie zu blöd.
Das ist lernen deluxe für sich selbst und wachsen deluxe. Das is in Verbindung treten und lebendiges Beziehung-führen. Ich, gewohnt alleine am Besten zurecht zu kommen.
Klar musste das eines Tages kommen - ich wollte immer eine Beziehung - nie aber mit den Männern so wirklich die ich bis dato kannte. Und nie so dringend, dass ich mich selber vernachlässige dabei. Nie das Bedürfnis gehabt mir selbst aus dem Weg zu gehen.
Und das was jetzt passiert mit diesem Mann ist wie Formen. Erschaffen.
Und es ist Zugehörigkeit - zum ersten Mal.
Und es ist Vertrauen - zum ersten Mal. Zum ersten Mal einem Mann vertrauen.
Einem Mann vertrauen - das hab ich noch nie. Vielleicht weil ich mich von Papa verlassen gefühlt hab und in eine viel zu frühe überfordernde Rolle von Verantwortung gedrängt fühlte.
Verantwortung mit 4 Jahren für beide meine Eltern, die, wenn ich nicht bei ihnen bin, nicht gut überleben können - in meinem 4-Jährigen Weltverständnis.
Und wie aber bei beiden sein, wenn sie sich getrennt haben? Nur indem ich mich wenn schon nicht körperlich, innerlich zerreisse.
Und dann ein hin und her von Mama zu Papa und zurück in dem erdrückenden Gefühl sie beide retten zu müssen - an einem einzigen Nachmittag.
Ich war 4. Mir war das alles zu viel. Und Entscheidung bedeutete Verlust und Schmerz und Verletzung Entscheidungssituationen an sich bedeuteten höchsten Stress.
Diese diffusen Gefühle sind bis heute da.
Auch wenn ich das lokalisieren kann mittlerweile.
Und dann die Entscheidung für einen Mann. Einen den ich mir ausgesucht habe und der sich mich ausgesucht hat.
Und plötzlich hab ich ein neues Lieblingswort und Ziel, auf englisch am Besten: commitment - Zusage, Hingabe, Bekenntnis, Verpflichtung, voller Einsatz.
Dazu war ich noch nie in meinem Leben Fähig bis dato. Zum ersten mal entscheide ich mich dafür, die erste Zusage in meinem Leben passiert für eine Beziehung.
Ein guter Schritt. Klar, die ersten und damit wackeligen Schritte. Aber ich geh und ich geh weiter.
Und dann die Angst.
Verlustangst.
Kenn ich schon, schon lange, gerade hier ist sie aber am Schwächsten, obwohl sie am Stärksten sein könnte weil ich noch nie so sehr ja gesagt habe.
Aber sie ist geschwächt die Angst durch das Vertrauen, und verschwindet zuweilen völlig von der Bildfläche.
Weil ich vertraue - zum ersten Mal. Zutiefst. Einem Menschen der pur und echt ist.
Und immer wieder hüllt mich Bewunderung ein, wie ein Mantel.
Für diesen Mann und das was er sagt und das was ich empfinde und das was er aus mir rausholt.
Und dann Sorgen.
Ich glaube ja an Hokus Pokus, und nicht daran, dass all der Hokus Pokus nichts weiter als das ist.
Und Astrologie und Karma-astrologie und Tarnt und Zahlenmystik.
Ich bin im Zeichen des Widders geboren und habe eine starke Fisch und Schütze Betonung in meinem Horoskop.
Der Widder ist das Ich, das Ich will, das Ego auch unter anderem und der Einzelkämpfer, der harte Schädel durch die Wand und das Feuer, die männliche Energie, Phantasievoll und Romantisch aber auch schnörkellos und ohne Blatt vor dem Mund, direkt und harsch, unvorsichtig und grob.
Das sind Teilaspekte von mir, die von völlig gegenteiligen Aspekten ausgeglichen werden und auch ergänzt werden.
Zu denken gab mir dann, als ich meinen Mondknoten im Horoskop karmisch analysierte, und da stand, dass Menschen mit meinem Aspekt sich weg vom Wir hin zum Ich bewegen auf ihrem Weg des Lernens, ich mich also hin zum mich selbst fühlen, weg vom miteinander. Und dass solche Menschen vermutlich nie eine gute, anhaltende Beziehung führen werden.
Und ich voll konfrontiert in meiner Sorge um ein Leben in Partnerschaft - weil ich alleine sein kann aber nicht WILL.
Weil ein Leben nicht zum alleine verbringen gedacht ist, als Mensch. Das sagt die Logik schon - Menschen sind nicht hier um alleine zu sein, weil sonst gäbe es weltweit nur einen. Das ist widernatürlich.
Und Frauen und Männer sind nicht umsonst ein körperliches Ergänzungsstück voneinander - und die Ansicht dass man nur zusammenkommt um sich fortzupflanzen und dafür im besten Fall als Mann möglichst vielen Frauen seinen Samen ins Gesicht drücken muss um was weiss ich was zu sichern, Machotum oder Eierschaukelei - ist eine vormittelalterliche Ansicht.
Gerade eben erst in einer Zeitschrift gelesen: es gibt sehr viele Tierarten die monogam leben WEIL diese sich so gut sexuell und auf die Zyklen des Weibchens einstellen, und die gemeinsame Sexualität so gut einstudieren, dass diese mehr nachkommen zeugen können und dies auch sicherer bewerkstelligen können, weil sei wissen wie es geht.
Ich glaube also und wünsche eine monogame, lebendige, fruchtbare Beziehung zu einem Mann.
Auch weil ich mittlerweile überzeugt davon bin, dass man selbst erst wird und wächst und heilt durch eine Partnerschaft die lebendig und positiv gelebt wird.
Und natürlich bin ich nicht hier um ewig auf der Stelle zu treten. Wozu denn? Ich bin hier um zu wachsen und zu werden.
Alles was ich dazu brauche im alleine mit mir erleben und leben - will ich mir geben. Das habe ich auch und das tue ich noch.
Alles was ich dazu brauche durch Gemeinsamkeit und Austausch und Kommunikation, will ich mir geben. Und das tu ich und werde ich noch.
Aber alleine sein ist nicht das Ziel und nicht das Einzige was vorne treibt und ganz werden lässt - und ich wage zu behaupten es ist eine verpasste Chance sich selbst zu treffen.
Und das wäre das grösste Versäumnis.
Und reicht nicht schon dies? : JA, ICH MÖCHTE EINE TIEFE BEZIEHUNG ZU EINEM MANN LEBEN.
Ich denke das genügt. Und das schaltet jedes 'Karma' aus. Denn ich entscheide und mein is der freie Gestaltungswillen.
Die Astrologie sagt auch bezüglich Karma, dass es immer wieder Menschen gibt, die ihre karmische Aufgabe in dem Leben nicht erfüllen, die von ihren Aspekten in ihrer Radix angezeigt werden, weil sie dies einfach umgehen, es ist ihre Entscheidung, und im nächsten Leben wartet diese Aufgabe eben erneut auf sie, dies sind meisst sehr schwierige Themen.
Also auch das besagt - es gibt keinerlei Vorhersage die über mich richtet und unumstösslich herrscht.
Also warum die Sorge um das nicht in Beziehung sein dürfen?
In meiner Familie leben fast nur Menschen die in keinen bis schlechten Beziehungen leben, und diese waren meine Vorbilder.
Es geht um Selbstwert und damit um die Frage ob ich verdient habe was ich will und ob ich verdient habe was schön ist.
Woher kommt diese Frage nach ob ich denn darf? Ob ich verdient habe?
Zumindest kam mir gestern eine fette Offenbarung. Ich bin schwerst konfrontiert in meiner Beziehung mit dem Thema Abgrenzung und meine Bedürfnisse achten und äussern. Nun sind da bereits so viele Gespräche und Erkenntnisse gefallen - ich habe so verstanden - und immer noch ist es das ums verrecken schwierigste auf der Welt für mich, Worte zu äussern, zu sagen was ich brauche und nicht will. Ich sehe das Problem ich bin dabei ihm zu begegnen - und immer noch liegt es mitten in mir drin wie ein viel zu grosser, klebriger Brocken.
Ich weiss ich werde ihn abtragen, das ist der einzig mögliche Weg - aber ich bin so verblüfft wie enorm schwierig das ist für mich, trotz Bewusstheit darüber.
So verblüfft, dass ich plötzlich verstand warum ich hier bin, in diesem Leben. Mindestens um DAS endlich zu lernen, weil es so eine Megaherausforderung ist, dass es eine Uraufgabe sein muss, wegen der ich hier bin.
Das ist ja nicht umsonst auch das elende Grundthema meiner ganzen Familienmitglieder, ausgehend von meiner Grossmutter.
Und das führte mich zum Flash:
Ich bin hier um zu lernen meine Bedürfnisse sicher und direkt gegenüber den Bedürfnissen von anderen abzugrenzen und zu vermitteln, sie mir zu sichern. Das spüre ich als essenzielle Lernaufgabe, weil ich andernfalls untergehe mit mir selbst und in weiterer Folge vielleicht sogar krank davon werde.
Selbst wenn nicht, ich sehe die passive Aggressivität an der meine Grossmutter tagtäglich förmlich erstickt, die sie bedrückt ihr ganzes Leben lang und all die damit einhergehende ständige Unzufriedenheit - weil sie die Überzeugung lebt Bedürfnisse gar nicht erst leben zu dürfen.
So bin ich nicht, aber dennoch kann ich noch viel mehr ich werden. Und das ist eine grosse Lernaufgabe die notwendig ist und das sehe ich daran wie schwer mir das fällt. Das ist mein Thema - andere Menschen schaffen das nämlich mit links und musste da nie etwas lernen.
Und da wurde mir plötzlich klar - wenn das der Grund ist warum ich hier bin und lerne in diesem Leben - dann bedeutet dies zwangsläufig, dass ich in einer engen Partnerschaft leben muss - denn wo diese Problematik am Meisten aufbricht und mich zum Kampf und zur Stellungnahme auffordert - ist im Angesicht meiner Beziehung. Ohne diesen Mann - ohne ein mir nahestehendes Gegenüber zu dem ich eine enge Beziehung lebe - würde ich nie diese Tiefen des Themas Abgrenzung und eigene Bedürfnisse erleben.
Alleine in einer Hütte im Wald muss ich mich nicht äussern und nicht abgrenzen. Im Grunde kann ich mich alleine in einer Hütte im Wald nicht kennenlernen und weiterentwickeln.
Letztlich geht es aber beim Thema 'meine Bedürfnisse mitteilen und leben' und 'Abgrenzung' um mich - es geht darum mich wahrzunehmen, mich zu spüren, für mich einzustehen und mehr ich zu werden. Es geht um Ich werden. Abgrenzung erzeugt MICH und dich.
Es ist also mein Weg zum ICH wie der Mondknoten sagt, der nur gangbar ist durch dich.
Ich brauch dich um ich zu sein.
Natürlich bin ich kompatibel.
Ich bin ein Mensch.
Und die Sorge schmilzt von meinem Herzen - alles ist mein.
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Anais