Freitag, 15. November 2013

Sie, der Wolf, sie, die ...

Das Leben lädt dich ein:
komm spiel´mit mir
komm lass´deine Stimme mit meinem Echo durch die Täler ziehen
leuchte mit mir in die weite Ebene
komm tanz´mit den Teufeln
dann werden sie dich nicht einfangen
weil dein Lachen sie irreführt
sie werden dich nicht als ihre Beute erkennen
tarne dich als des Teufels rußige Schwester, du Allerleihrauh
du Allerleiwunder
komm, male mit allen Farben,
mit Asche, mit Blut, mit Wasser, mit Gras
male dich an
bis du müde bist
sei mit mir
am Leben
sei hier
komm schon, komm
und spiel´mit mir.




anais



*




was du sein sollst:
schrei es in den Sturm
was du sein sollst
hol es dir
los nimm dich in Besitz
du verrücktes Himmelkind
sei immer noch so geschwind
wie die die dich fangen mögen
sei ganz offen
sei ganz blind
alles ist gut
wenn du bist
sei das du
was du haben willst
und was du haben willst
das verleibe dir ein
folge der Lebensspur
die sich am Boden zieht
und schmiede dir deinen Schlüssel
zu deinem höchsteigenen Imperium
und tu es allen gleich
die diesen Sinn auch verstehen
du darfst diese Welt mit dir versehen.

Als Zeichen
als Fleck
als Mal
sei wie es dir passt,
ganz egal

so unbekümmert und fein
so schwerelos frei zu sein
ja, sei, alles was dir einfallen kann
und alles was in dir ausfällig werden kann.

Lose, lose
oh wie wunderbar lose
eröffne deine feierliche Metamorphose.


anais




*




Die Anrainer mussten sich schon sehr über sie wundern:
wer oder was war sie, und wie?
keiner konnte sich erklären
was sie trieb und zog
was sie machte
was sie erdachte
wieso hie und da ein leises Feuer entfachte
rot und heiß in Glut und Flamme
niemand konnte sich erklären:
wieso tut jemand überhaupt soetwas?
wieso kann jemand die Nacht erhellen
mit seinem klaren Stimmengellen
quer durch jedes Vorgartenbeet
und bis man aus dem Haus tritt
ist es schon zu spät
weil die die es streift
vorbeizieht wie ein Wirbel
und tausend düfte nach sich zieht
wie ein großmaschiges Fischernetz
gespannt um alle einzufangen
Herzen, Männer, Sterne
wie wüssten sie alle gerne
mehr.

Ja ist sie vielleicht eine Fischerin?
In anbetracht der Anglerfertigkeiten?
mutmaßt der Bäcker,
ja sein Kuchen ist extralecker.

Oder aber sie ist ein Wolf
gemein und blutrünstig
vermutet der Elektroverkäufer
sein Ratschlag niemals je günstig.

Sie könnte auch ein Phänomen sein
ich sah das gestern Abend in meinem Wein
sinnierte die Frau aus dem Esoterikladen,
die war für jede Idee zu haben.

Ich sage euch wie es ist:
eine Hexe, nicht mehr und nicht weniger,
behauptete fest der Bürgermeister
dessen Geist so flink war wie alter Tapetenkleister.

Oh, nein, sie ist ein Kugelblitz
ich habs gesehen
im Wald bei Mondenschein
wenn sie dort wandelt, ganz allein,
das die Meinung des Förstersohns
auch ein Liebhaber gekochten Mohns.

Nein nein, ich kanns euch sagen
jeden guten Mann bringt sie um Kopf und Kragen
hat sie erstmal ihm den Kopf verdreht
und wäre dies noch nicht genug zu beklagen
sorglos tut sies, sorglos
sie ist das reine Verderben, in Fleisch und Blut
ja, so sprach der Wirt gerne
war ihm doch keine Ausrede für seine eigenen Fehler dumm genug.

Da meldete sich nun endlich die alte Frau zu Wort
die eine, die da und dort immer wieder mal vor Ort
um sie alle aufzuklären, die so gerne Fragen stellen
ihre Vermutungen mit Handfestem zu erhellen:
Die, die ihr nicht zu verstehen vermögt
die euch vor solch unlösbare Rätsel stellt
die euch solch wilde Schuldzuweisungen entlockt
gebt nur acht, was ihr da macht
sie ist das Ungreifbare, weder Wolf noch Blitz, noch Kugel
nein
sie ist das Bundesmysterium für Inneres
und nun beendet diesen Trubel
für jede schwarze Stimme gegen sie gestimmt
stimmen andere doppelt mit Jubel.

Denn was euch nicht gefällt
gefällt sich selbst um so mehr.
Und darum auch zieht sie Scharen von Herzen hinter sich her,
weil sie selbst mit Gefühl nicht kleinlich umgeht
es ist wohl an der Zeit
dass auch ihr einfachen Leut´ dieses Muster versteht.





anais