Dienstag, 6. Mai 2014

Dreieck



Der Zustand der Unschuld macht dich schön.
So schön, wie kein Juwel, das deine Kehle schmücken könnte, kein Kleid, das dich einfassen könnte in seidiger Enge, so schön, wie keine Rasur es erwirken könnte.

Haarig sind nicht nur Tiere oder Angelegenheiten.

Die besten Stellen, um nicht zu sagen, die besten Entscheidungen sind haarig. Kraushaarig. Goldhaarig. Und es kann einem schon das Wasser im Mund zusammenfließen. Das Wasser ums Boot zusammenfließen, während du, meine Schöne, dich - nur mir allein zuliebe - mit deinem Rücken zu mir über das Wasser, über den Bootsrand beugst, weil niemand sonst in der Nähe ist, in deinem weißen Elfenkleid, dessen unterer Rand nur die oberen Oberschenkel umspielen kann, weil er weiter nicht reicht.
Weil mein Begehren weiter nicht reicht, als bis zum Bootsrand, über den du dich für mich beugst. Damit deine harten Baken sich befreien und dein göttliches kleines rotes Herz auf der einen, und dieser herrliche Spalt zwischen ihnen, durchzogen von dem String deines Tangas, umspielt von krausen, dunklen Haaren. 

Es kann einem schon das Wasser im Mund zusammenfließen, so wie damals, als du dich bei mir auf den Stuhl gesetzt hast, um dich auf der Höhe deiner Eierstöcke etwa tätowieren zu lassen.
Und ich dir dafür dein Höschen etwas weiter nach unten ziehen musste, um die Rasierklinge richtig ansetzen zu können, um den Platz frei zu machen von schwarzen Locken, um dich genau dort stechen zu können, wo dein Körperschmuck für dich sein musste. Krönend über dem Dreieck, dass sich wild und kaum zähmbar verhält - wie du in deinem innersten Wesen auch. Dem Dreieck, dass dich zur Frau macht, zu meiner, weil ich dich rasierte und tätowierte und wollte.
Weil du haarig warst, weil du echt warst.

So echt, wie dein mädchenhafter Busen, der dich noch mit 40 wie eine 14 Jährige wird aussehen lassen, oberhalb deines Nabels, so echt bist du. Und weißt du was ich liebe? Weißt du was ich jedes Mal suche, wenn ich dir Träger oder Ärmel über die Schultern schiebe, wenn ich dich ausziehe, endlich, händisch, nachdem ich es im Geiste längst tat, ich suche nach ihnen, nach den Haaren, den dünnen, zarten, die wie Grashalme den Rand des Hofes deiner Warzen begrenzen. Nach ihnen suche ich.

Und nach deinen Wimpern.
Und nach deinen Brauen, die deine eine Gesichtshälfte so arrogant machen können.
Und ich suche nach deiner Pracht, deiner Mähne, mit dem roten Stich, du Fuchs.
Du bist ein Fuchs mit Wolfsherz, Wolfsseele.
Der Stich in deiner Mähne, das Wallen bis zu den Grübchen links und rechts deiner unteren Wirbelsäule, ich suche diese Locken, diese weichen, großen, immer von selbst fließenden Locken, als hätten sie ein Eigenleben, als bewegten sie sich im Takt deiner steten Gedanken die du spinnst, du heimliche Hexe.
Immer geht etwas in dir vor, immer gehe ich etwas um dich herum.
Stete Hexe meines Lebens, raubst mir Logik und vergebens, versuche ich nicht um dich zu kreisen. Steter Tropfen höhlt den Stein, steter Tropfen holt mich ein, stilles Wasser, ich bin dein.
Ertrunken in deinen Tiefen.
Nun sind meine Lungen mit Wasser voll, doch heute Nacht muss ich dich noch suchen, muss ich dich noch finden, mein Verhängnis.
An diesem speziellen Ort, hat man mir versprochen, würden all meine Phantasien wahr. Niemand darf hier rein, der nicht persönlich vom Grafen geladen ist, und wenn die Portale überschritten sind, und alle Hüllen abgelegt, dann würde nacktes Fleisch im Schein von Kerzen und auf Tischen und in Nischen und auf Böden und in Ecken sich wiegen, und locken, sich überall mitzuwiegen, mal da, mal dort, an jedem Ort in diesen Räumen würde ich meine Lust befriedigen können, mit den unerdenklichsten Schönen, verschieden reizenden Frauen.

Man hat mir nicht zu viel versprochen, ich sehe was man meinte, doch ich bin nur auf der Suche, nur am sinnieren über dich, und die dunklen Locken.
Wir sind beide heute hier, doch nicht gemeinsam erschienen.
Und nichts stillt mir die Gier, die diese Orgienbilder nähren. Denn ich kann nichts sehen, außer halbherziger Scham, hundertfach vorhanden, hässlich kahl und alle gleich, sind das Frauen oder Mädchen? Oder sind sie überhaupt echt?
Mein Auge erschöpft sich im Kerzenschein an all der kahlen Ebene zwischen dem Bein. 

Plötzlich schweift mein Blick vorbei an belanglosen Anwesenden und macht sich fest an einer mir bekannten Form. Ich sehe wieder klar, ein Dreieck, dunkel und mysteriös, verbergend so viel, was ich unbedingt will. Ich habe dich gefunden, an diesem lustvollen Ort, nur Augen für dich, meine Schöne, und dieses düstere, im Schein flackernde, haarige Versprechen, das mir mit seiner Form den Weg weist, dorthin, wo ich sein will.




anais