Sonntag, 15. März 2015

Abschied





Seit etwa zwei Wochen träume ich Abschiedsträume

von Menschen die es waren, aber nicht mehr sind, Menschen, die ich nicht brauche und nie wirklich brauchte, weil sie nicht gut für mich sind.

Der Erste war S., der mir erschien im Traum. Er war fröhlich, offen und gelöst, wohl 10 Kilo mehr als in der Realität, in der Realität ist er dünn und trainiert, herb und ernst im Ausdruck, nicht mehr fröhlich und stets beschwert, bitter. Wir waren so dicke Freunde, fast mehr als das, von Kindheit an, und als Kinder hatten wir den Spass unseres Lebens. Das ist gestorben und es interessiert ihn längst keine Meldung und kein Lebenszeichen von mir mehr, aber auch von anderen kaum. Er hat eine Freundin und das reicht ihm. Jede Freundschaft  ist dann nicht mehr von Bedeutung.
Im Traum sein eigenes Gegenteil. Er nimmt mich an der Hand und er strahlt so sehr, so sehr wie nie mehr in Wirklichkeit, zieht mich irgendwohin, während er plappert und redet und lacht und mir nah ist innerlich.
Es ist ein überraschendes und schönes Gefühl.
Dieser Traum fühlt sich an wie eine Versöhnung zum Abschied.

Einige Tage später träume ich von P. Ich habe ihm schon im wahren Leben gesagt, wie es steht um uns für mich, es steht nichts, und es stand nie was, das ist die Wahrheit und er weiß es, es kratzt ihn auch kaum, mir ist es ebenso egal, doch er kann es nicht lassen, mich sporadisch beeindrucken zu wollen, und sich des Kontaktes zu mir versichern zu wollen. Ich weiß nicht was das soll, ich denke er hat sonst grade kein Mädchen zu beeindrucken. Kein wunder, denn allzu viele hören ihm auch nicht zu.
Im Traum eine Szene die zu längst vergangenen Tagen passt, nicht mehr zu heute. Wir sind in einer schönen Umgebung, in einem Haus, das ich noch nie gesehen habe und die Stimmung ist intim, wir haben unsere Ruhe. Ich streiche ihm über seinen Rücken über dem Shirt, und bin ganz in diesem Frieden verloren, gedankenlos. Er sagt dann zu mir: Jetzt, wo wir uns lieben …. weiter höre ich nicht, denn in dem Moment wache ich im Traum auf aus meiner Gedankenlosigkeit, bin plötzlich komplett klar und entfernt von ihm und erkläre ihm etwas wie, dass wir uns nicht lieben und nichts dergleichen, während mir klar ist, er weiß nicht was er da sagt, denn ich weiß, im Traum, er hat keine Ahnung von Liebe und auch nicht dieses Gefühl für mich. Es besteht keine echte Verbindung zwischen uns, und das teile ich ihm mit.
Ich verabschiede mich von ihm. Er ist mir nicht wichtig.
Diese Sache beende ich hiermit.

Noch ein paar Tage später, das war gestern Nacht, erscheint mir G., und das ist der härteste Kandidat im Bunde, denn im wahren Leben ist meine Sehnsucht nach ihm noch sehr stark erhalten, d.h., tatsächlich genau bis zu diesem Traum, danach war das tot.
Im Traum ist er da, irgendwo, wo wir sind, und ich bin so überrascht, denn nie begegne ich ihm, und hier, in meinem Traum, war er plötzlich da. Enorm war meine Freude darüber und ich frage ihn gleich, wie es mit seiner blonden Freundin steht. Gleich winkt er ab, das ist lange vorbei und war auch nie wichtig, und irgendwie weiß ich, dass das stimmt. Doch mir fällt auf, er ist leicht betrunken, und das ist mir nicht sehr recht. Dennoch ist die Anziehung so stark und wir reden weiter, irgendwas will ich von ihm, und er sagt plötzlich: hey willst du vögeln? Es ist zwar komplett krank dass ich mit dir vögeln will, wo ich dich schon einmal hatte, aber irgendwie will ich es dennoch.
Ich bin komplett enttäuscht und empört eigentlich: wie kann er das so sagen? Sieht er da wirklich nicht mehr?
Dennoch zieht es mich hin und ich will ihn, mit einer irrationalen Sehnsucht, die sich durch nichts begründen lässt, wie man sieht, nichts an ihm ist gut oder charmant, nicht einmal sympathisch - genauso wie in Wirklichkeit, um ehrlich zu sein.
Ich sage nichts und rate ihm, nicht mehr zu trinken, wenn er etwas von mir will noch heute Abend.
Darauf geht er ein, und gesellt sich zu Freunden weiter weg.
Ich denke nach und ich denke, ich will das so nicht, ich will keine betrunkenen Liebschaften mehr, ich will das wirklich erleben, und ich will ihn, wenn, dann klar und nüchtern.
Ich bin mir nicht sicher, aber dann denke ich: hey, wieso denn nicht, worauf denn warten? Es könnte schön sein, es könnte richtig sein. Und ich spüre ich will es und ich schreibe ihm ein Sms, dass ich es will, jetzt.
Dabei sehe ich ihn von einer Entfernung, und sehe wie er einen Krug Bier nach dem anderen kippt, ganz so wie im wahren Leben, wieso nur? denke ich, wollte er nicht diese Nacht mit mir, wieso säuft er, wenn wir uns das anders ausgemacht haben?
Die ganze Geschichte wird zunehmend beschissen und geht mir gewaltig gegen den Strich, sowie gegen alles, was ich wirklich will.
Das ist es wirklich nicht, und dieser Mann, auf die Weise, ist nichts von dem was ich will, wird mir klar.

Dennoch, stur wie ich bin, bin ich noch nicht fertig mit ihm.
Ich bin nackt in einer nächsten Szene, habe nur ein Höschen an, und gehe bewusst mitten durch die Menge in diesem Raum, durch eine Tür in einen anderen Raum, wo ich alleine bin.
Dabei weiß ich, wie umwerfend ich aussehe, und dass es alle sehen können, und das befriedigt mich.
Ich will etwas provozieren. Jetzt wird es absurd, da nichts so passiert, wie ich es will oder plane.
Es folgt mir ein älterer, abstoßender Mann, er will mit mir schlafen, ich will G. eine Sms schreiben, ich hoffe, dass er mir hilft, doch in dem Moment ist mein Handy ein Stück Metall, und ich kann nichts tippen. Ich habe überhaupt kein Gefühl mehr, taub bin ich, und der Mann vergeht sich an mir, doch in diesem Moment bin ich nicht mehr ich, nicht mehr in meinem Körper, nur ein emotionsloser Zuseher einer Szene, die so nicht im Drehbuch steht.
G. kam nicht, er hat nichts bemerkt und interessiert sich für nichts.

Jetzt. Jetzt spüre ich, ich hab verstanden. Jetzt bin ich fertig mit ihm.
Nichts mehr, was mich an ihm interessiert.
Das war, nun endlich, ein Abschied, von einem Menschen, von dem ich nichts haben kann.

-

Sie alle sind Freunde im wahren Leben, aber nicht meine.
Nicht einmal das.

Ich, frei von diesen Geistern.
Und genieße einen Neubeginn.


_

Anais