Mittwoch, 18. März 2015

Gegen den Strich



Was ich nicht leiden kann, ist zurückgehen.
Wenn ich in eine Richtung gehe, schlendere, spaziere, und dann denke: hey ich setze mich doch noch ein bisschen in die Sonne am Teich. Und dafür dann 20 m zurückgehen muss, dahin wo ich gerade her kam.
Das geht mir gegen den Strich, das geht der Welt gegen den Strich, das geht meinem Weg gegen den Strich.
Ich kann nicht gut zurückgehen, ich muss vorwärts, das muss fliessen.

Schwerwiegend widerwillig gehe ich zum Teich zurück und sitze am Rand in der Sonne.
Am Rand in der Sonne.
Ich brauche nicht im Mittelpunkt zu stehen.
Ich bin ganz grün angezogen, so wie der Park heute, so macht man sich schön für die Sonne.

Mein Buch mal kurz abgesetzt, sehe ich: die Enten haben auch nicht ihre Ruhe hier. Zwei ausgewachsene mit 7 Babys. Die völlig deplatzierte Baustelle eines Hotels macht Wirbel im Hintergrund, und über uns kreisen Hubschrauber. Kann denn eine Ente auch mal bitte ihre Ruhe haben?
Das is ja wirklich unfassbar!
Am anderen Ende des Teiches laufen Spezialeinheiten mit weißen Helmen irgendwohin wo sie denken gebraucht zu werden.
Keiner braucht Spezialeinheiten.
Kann man denn mal nicht seine Ruhe haben?
Genauso wenig braucht irgendjemand ein Hotel direkt neben der alten Oper in Frankfurt.
Überall Blaulicht und Trara, also ich bitte euch!
Einmal schön durchatmen! Der protestantische Trieb der Menschen ist schon gerechtfertigt, brauchst du dich schonmal gar nicht wundern.
Und Blaulicht ändert da auch nichts dran.
Solln sie Autos sprengen, solln sie Scheiben einschlagen. Das wurde ja auch mal Zeit!

Der Welt gegen den Strich gehen weil sie uns gegen den Strich geht.

Ganz ehrlich.

Ich lese weiter im Text. Die blonde Gauloise, geschnorrt von einer Passantin, an meinen Lippen, da wo sie garantiert nicht hingehört.

Meine Fresse, Ente, bitte schwimm doch in die Mitte, lass den dreckigen Rand!

Ich gehe jetzt zurück in die alte Oper, ich muss schreiben. 
Aber ich verlasse die Sonne so ungerne!
Soo ungerne.

Sonne, meine Schwester, hast du schonmal soviel Unsinn an einem Fleck gesehen?

Ja, du sicher, was erzähle ich dir!



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Anais