Mittwoch, 29. Oktober 2014

was wir sind und was wir waren




was wir sind
resultiert
aus allem was wir waren
über Jahrhunderte waren wir
Zeit auf
Zeit ab
neben Männern
unter Männern
ober Männern
allein mit uns
unterdrückt
befangen
stillgelegt
weggesperrt
hysterisch
wir waren
nicht wir selbst
abhängig gemacht
untergraben
damals
waren wir nicht wir
wir waren keine Frauen
wir durften nicht frei atmen
und alles an Freiheit
ob offenes Haar oder Dekolleté
wenn nicht von Mann für Mann erlaubt
war Prostitution
unsere Freiheit war
hunderte Jahre lang
Hure
und 
Scham
untertitelt

benannt

gezeichnet waren wir
beschubladet war sie
die lose Weiblichkeit

Selbstvergessenheit und ihre Lust
musste zu tief zerreissenden Zweifeln degenerieren
laut Befehl
um uns ja nicht frei und glücklich zu sehen
aus Eifersucht und Angst vor uns

waren wir Teil unserer Verbannung?
haben wir mitgespielt und unsere Rolle angenommen?
alle die nicht Calamity Jane hießen, heben jetzt die Hand

ja wir haben

ja wir haben geerbt
wir tragen heute unser Erbe, das Erbe der Frauen vor uns
in unseren wunderbaren Busen
heute sind wir nicht frei
noch nicht ganz
keine Frau wagt es, sich zu zeigen wie sie ist

kaum eine
wenn nicht keine

wie sie ist in ihrem Körper
wie sie ist in ihrem Geist
wie sie ist in ihrer Persönlichkeit
sie liebt es sich die Nase und den Charakter zu feilen
Kanten abzurunden
in Gesicht und Innerem
sie liebt es nicht
sie hat Angst vor Echtheit
denn Jahrhunderte zuvor hat man sie dafür bestraft
das sitzt in den Knochen
noch immer
wir müssen frei werden
noch immer
unverblümt werden
Hure werden
frei leben
rücksichtslos unsere Persönlichkeit zeigen
in Gesicht
und Wesen

denn sonst geht das Versteckspiel weiter
das pornographische Doktorspiel 
geht sonst weiter
bricht aus
ohne Orgasmus
vor Kameras
wunderschöne Frauen
brechen dort aus
von Männern für Männer
ohne Lust
mit hoher Gage
in der Summe der generationenübergreifenden Unterdrückung
Entschädigung?

wunderschöne Frauen
aufhören will ich mit unserem jahrhundertelangen Versteckspiel
zeigen
ja, zeigen
was wir wirklich haben
was wir wirklich sind
Kameras aus
entblößen die wunderschönen Brüste
die wunderschönen Hüften
die wunderschönen Pos
so wie sie sind
entblößen
die atemberaubenden Kanten
die guten harschen Seiten
alles was wir sind
im Leben
nicht hinter verschlossenen Türen
nicht für uns allein
zeigen was wir immer waren
allen die Augen haben

endlich unser Gesicht zeigen
und einsehen
wir müssen keine Rolle spielen
wir halten unser Steuerrad
um uns allein geht es
um all das was man Hure nannte
um unsere Schönheit zu beschmieren

frei will ich mich zeigen
ich folge meiner Frau
meiner Intuition
meine Sprache

mit einem Schlag will ich mich befreien
mir Bekleidung und Schleier von Leib uns Seele reißen
im Scheinwerferlicht des Lebens stehen
mit all meiner Macht
nackt will ich sein

ich bin da
das waren wir immer schon.



anais