Dann ist der Zeitpunkt gekommen, zum ersten Mal oder erneut, was nichts zur Sache tut im Eigentlichen, wo man vor einer Weggabelung steht.
Man blickt kurz zur Seite, am Wegesrand sitzt der nette alte Mann, bucklig und teilweise zahnlos, der die Weichen stellt. So wie man es ihm anschafft, dass er es tun soll. Er erfüllt gerne jedermanns Wünsche.
Und dann den Blick nach vorn erneut.
Wie soll die Wahl ausfallen?
Man weiß es schon längst.
Hier noch denken ist eine Alibihandlung.
Um nicht auszusehen wie ein komplett irrer Extremsportler, der sich ohne Sicherung aus der Welt ins All hinausfallen lässt.
Wie gerne wäre man so.
Aber das ist Realität, der regelmäßige Halt bei der Weichenstellerhütte im Wald.
Die gibts nur im Wald.
Wie also gehen, achso ja, man weiß es ja schon.
Auf der einen Seite, etwas nach Links, führen diese alten, brüchigen, grasüberwachsenen Kupferschienen. Das Holz der Streben ist morsch. Der Tunnel aus Dickicht und noch undefinierbarer Waldmasse ist wohl noch vorhanden, man kann also wohl durchgehen, doch sehr schmal. Leicht bergab und in gedimmte Lichtverhältnisse führen diese Schienen.
Ich platze schier vor Neugier und Lust mich hineinzustürzen.
Auf der anderen Seite, etwas nach Rechts, führen diese andren Gleise. Klare, polierte Silbergleise, jedoch keineswegs allzu oft befahren. Gut sichtbar, in eine zweifellose Richtung weisend, doch nicht beschritten, auch das ist kein oft beschrittener Weg, nein.
Diese Silbergleise also. In hellem Waldlichtungslicht, klar bis weit an den Rand des Sichtfeldes weit vorne, da wo die Sonne die Schienen berührt mit goldenen Händen. Ja dort werden die Schienen gold, dort in der Sonne, weiter weg, dort wo es nach Hafen aussieht, gesäumt von den gutmütigen Fichten. Den Kiefern. Den Tannen. Den Zypressen. Den Zedern. Dort.
Ja ich sehe dort ein Ziel. Mein Ziel. Das ist es, was mein Herz begehrt, Gott ja, genau das wünsche ich mir, und wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich meinen, ich habe es erfunden, für mich, dieses Schöne dort vorne.
Und ich sehe den Weichenmann an. Den Glücklichen. Denn er ist glücklich. Und ich sage ihm an.
Er stellt mir die Weichen.
Wie ich es will.
Ich bin mein Meister.
Und ich laufe los, aber nicht zu schnell, ja nicht zu schnell für diese mich umgebende Schönheit, die auf mich wartet. Sie wartet auf mich und ich laufe, in diesen verheißungsvollen halbhellen Tunnel aus Laub, leicht bergab, in einem Saum aus grünem Gras. Alles rauscht und knistert leicht denn es brennt darauf entdeckt zu werden.

Anais
Pic: google Suche Fichtenwald