Mittwoch, 25. Februar 2015
dunkle episode
sie war vielleicht 5 jahre alt, da ging es mit ihrer tante nach dem kindergarten eine zeit lang zu befreundeten kindern, auf die sie, ihre tante, aufpasste, also da war der r. in den sie, das kleine mädchen von 5 jahren, ziemlich verliebt war, und sein bruder , der b. sie erinnert sich brüchig. ja, brüchig. dieses und kein anderes wort ist gemeint. an die wohnung, den flur, den r., den b., an sich selbst. an die tante eher weniger. war sie dort allein mit den burschen? weiß sie nicht so genau. jedenfalls wendete sich das blatt der noch so jungen verliebtheit der kleinen 5-jährigen. eben noch überglücklich von tante und r. gemeinsam abgeholt zu werden aus dem kindergarten, zu fasching, als sie als arielle verkleidet war, und r. ihr begeistert erzählte, dass sein lieblingsfilm arielle sei, und er in arielle verliebt sei, schon erinnert sie sich, einige blackouts später, es ist viele jahre her, den r. tunlichst zu meiden. wieso? episoden über episoden, zusammenhanglos in ihrem kopf, jahre, jahrzehnte nicht darüber nachgedacht, und irgendwann kam die erinnerung an einzelne fetzen wieder, willkürlich, ohne jeglichen auslöser. sie kann sich erinnern, wie r., der etwa 11 gewesen sein musste, oder 12, mit ihr spielte, und sich irgendwann im spiel auf sie setzte, ihre hände zu boden drückte. er fand es vielleicht romantisch. sie war für diesen begriff doch noch zu klein, auch wenn sie schon wirkliche verliebtheit spüren konnte, schon damals, für diesen und jenen. daher fand sie es also eher unangenehm und befremdlich. mehr an erinnerung will sich da aber nicht mehr einstellen, drehe sie wie sie es wolle, und die nächste klare szene ist: der schreibtisch im zimmer des b., des bruders von r. er muss um die 14 jahre alt gewesen sein, ein ruhiger, friedlicher kerl. das spürte sie genau und setzte sich also auf seinen schreibtisch, während er vertieft mit seinen modellautos ebendort spielte, vielleicht auch mit einem gelben modellhubschrauber. und er war so nett und aufmerksam, so friedlich und ruhig, und erklärte ihr hin und wieder so dies und das, über seine modellautos und modellflugzeuge und überhaupt: über seine modellwelt. er lies sie so schön in ruhe. und er war älter. hier war sie sicherer, als bei dem komischen r. der hatte sie dann doch allzusehr verwirrt, verstört vielleicht sogar, und somit hatte sie plötzlich keine schmetterlinge mehr für ihn in ihr drin flattern.
sie wich nicht mehr von b.'s seite. wie es weiter ging, weiß sie heute auch nicht mehr, nach 13 jahren. jedenfalls waren da viele, viiiele modellautos und modellflugzeuge und auch kleine modellstraßen und modellbäume, in giftgrün und steifem plastik. das weiß sie noch. und dass es ihr nicht gefiel. an r. kann sie sich nicht mehr erinnern.
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Anais