Freitag, 27. Februar 2015
Traumtagebuch: Kapitel 6: Wiedergeburt
Ich bin so komisch nicht ich, nur ein Bewusstsein. In dieser Form trete ich aufeinmal in eine Welt ein, ich bin Beobachter. Es ist wie eine Vorschau.
Es ist eine atemberaubende Welt: Ich sehe einen Fluss der still und freidlich daliegt, fliesst, gemächlich, in einen See übergeht, überall ragen kleine und größere Steine aus dem Wasser, rundum ist wunderschöne Natur, alles ist ganz friedlich, es gibt keine Menschen, ich schwebe über diesem Bild, das Licht, das alles eintaucht und einfärbt ist ein helles weiches blau bis hin zu violett und rosa. Es ist so wunderschön ich fühle mich so gut, ich möchte genau hier sein. Das ist eine Art Ziel, eine Art nächste Station.
Dann trete ich aber aus dieser Welt, bewusst, und in eine andere ein, ich bin in einer Art Zwischenwelt, Korridor, dunkel, eine Allee, es ist ziemlich normal hier, und es ist ein kleiner Junge da, mit schulterlangem, blonden Haar. Wir gehören zusammen. Er wird so zehn, elf Jahre alt sein. Ich kenne ihn gut, ich gehöre aber nicht hierher, es ist als würde ich nur mal nach ihm sehen.
Er öffnet dann eine Tür zu einem schwarzen, finsteren Raum, das ist eine sehr dunkle, böse Sache, das weiß ich. Er muss dort hineingehen für eine Weile und das weiß ich auch. Während er hineingeht, bin ich so unfassbar entnervt, nichts geht mir mehr auf den Sack, als dass ich jetzt diese Sache abwarten muss, bis er wieder rauskommt, alte Scheisse ich bin so entnervt, ich will unbedingt schon in diese schöne Welt, in die ich zuvor einen Blick geworfen habe.
Er steht mir da nur im Weg, ich selbst bin viel viel älter als er. Ich weiß ich muss nicht in den Raum, ich muss nur warten. Während mich das unfassbar ankotzt und mir der Gedanke kommt, ich muss ja nicht warten, denn das muss ich ja nicht, mir steht es ja frei, ich könnte jetzt auch gehen, überschwemmt mich plötzlich so eine unbändige, innige tiefe Liebe für diesen Jungen, so stark, dass es die genervten Gefühle wegwischt. Ich liebe ihn doch so und ich gehöre ja zu ihm.
Das ist alles nur ein Augenblick. Dann ist er fertig und wir beide treten in die wunderschöne Welt gemeinsam ein. Ich fühle mich sehr ruhig, endlich sind wir dort beide angelangt. Wir sind aber nicht zusammen hier, er ist auf einem Segelboot, dass plötzlich am See steht, und immer noch der kleine blonde Junge, und er trägt jetzt einen knallroten Ganzkörperanzug. Er gesellt sich zu einem Kreis von Menschen, und sie machen Kampfsportübungen, alles ist sehr positiv und gelöst, ich bin weiterhin eher ein Bewusstsein und beobachte diese Szene, und ich bin jetzt erleichtert, dass er auf dem Boot gut angekommen ist.
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Anais